Uyuni Tour Tag 2
Tag 2 in Bolivien und die Eindrücke reißen einfach nicht ab! Unser Guide Nelson ist super lieb und erklärt uns wahnsinnig viel über Pachamama, welche hier weiterhin mehr veehrt wird als jegliche Idee anderer Gottheiten (auf gut Deutsch: Mutter Natur), alte Inka-Häuser, heilende Kräuter und die Quechua-Kultur. Ich fand es spannend, dass hier alle zwei Wochen mal ein Arzt in die entlegenen Dörfer gefahren kommt, und das so deren Gesundheitssystem irgendwie funktioniert. Außerdem mussten wir heute an kleinen Schranken Maut für die Gravelroads zahlen und sind tief in verlorene Täler gefahren, aber ja die bezahlten Straßen hatten sogar Schilder und waren minimal ebener als der Rest der Fahrt auf offenem Gelände ˆˆ.
Wir haben “La Italia Perdida” besucht (völlig verrückte, verlorene Steinformationen), wo sich scheinbar mal eine Italienerin verloren hat und OMG ich hätte dort den ganzen Tag verbringen können, denn wir durften alles beklettern, was wir wollten :D
Danach sind wir durch weite Quinoa-Anbaugebiete weiter gefahren. Quinoa ist hier das absolute Grundnahrungsmittel und scheinbar eine krasse Trockenheitspflanze. In der Umgebung vom Anaconda Canyon – ein Fluss, der sich wirklich wie eine grüne Schlange durchs Tal zieht – wimmelte es nur so von Lamas und Schafen. Dazwischen stehen immer mal wieder völlig verlassene, heruntergekommene Steinhütten, die teilweise nicht größer sind als unsere Badezimmer zuhause. Das Land strahlt eine so unglaubliche Freiheit aus. Alles ist offen, es gibt kaum Zäune oder sichtbare Grenzen. Man hat das Gefühl, die Welt gehört einem allein und gleichzeitig allen… Die Definition von Landbesitz fühlt sich hier deutlich freier an…
Ich habe Nelson auch bzgl des Klimawandel befragt: Die Extreme werden hier immer stärker. Die Hitze und Trockenheit nehmen zu, aber im Gegenzug auch die extreme Kälte. Das Spannende ist aber, dass die Leute auf dem Land (noch) nicht so besorgt sind wie die Menschen in den Städten. Sie brauchen einfach extrem wenig zum Leben. Sie haben ihre Lamas und ihr Quinoa nah an einer Bergquelle. Es ist weniger Ertrag als früher, aber laut Nelson reicht es ihnen zum Leben und so gibt es keinen Grund, sich in deren Augen Sorgen zu machen.
Wir haben mittags auch in einem ehemals verlassenen Dorf gehalten, das erst durch den Tourismus wieder Leben eingehaucht bekommen hat (ca. 90 Einwohner). Ich fands bisschen random und mit war es ehrlich gesagt etwas zu laut, denn die 3 Bars haben einen Wettkampf um die lauteste Musik gemacht… Nach der ganzen Stille der Natur war das irgendwie ein ziemlich großer Kontrast. Ich versuche ja wirklich, sowas positiv und als spannende Entwicklung zu sehen, aber manchmal bedrückt mich der Gedanke auch einfach, dass wir Menschen überall unsere Spuren und unseren Müll hinterlassen.
Abends ging es dann in einem netten Dörfchen mit Blaskapelle ins Hotel. Und was soll ich sagen? YES! Privates Zimmer, eigenes Bad, Seife, Handtuch, Toilettenpapier und heißes Wasser! Ihr glaubt gar nicht, wie sehr man sich über eine heiße Dusche freuen kann. Das absolut Verrückteste: Das komplette Hotel ist aus Salz gebaut! Die Wände, die Säulen, sogar das Bettgestell, auf dem die Matratze liegt – alles pures Salz!
Als es dunkel wurde, sind wir direkt neben dem Hotel zum Stargazing rausgegangen. Oh mein Gott, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viele Sterne gesehen! Die Milchstraße leuchtete so unfassbar hell über uns. Das hat mich direkt motiviert: Wenn ich wieder in San Pedro bin, muss ich unbedingt nochmal eine richtige Astro-Tour ins ganz Dunkle machen!


